Liebes Tagebuch, Eine harte Woche ist geschafft. Wie jedes Jahr gab es auch diesmal wieder das Projektangebot der UniKasselVersität schlechthin. Die Rede ist von der 64. Medienwerkstatt unter der Führung von Reinhard Nolle – und ich war dabei! In der Medienwerkstatt werden verschiedene pädagogische Elemente verbunden. Die Medienwerkstatt basiert schwerpunktmäßig auf der biografischen Spielfilmpädagogik. Innerhalb von sieben Tagen wird von jeder Projektgruppe ein 15 Minütiger Film entwickelt, welcher auf den Erlebnissen der Teilnehmer zu einem bestimmten Schwerpunktthema basiert. Anfänglich werden Geschichten geschrieben, welche wiederum auf zentrale Kernaussagen beschränkt werden. Aus diesen Kernaussagen werden zwei Geschichten entwickelt, welche in der Gruppe dann zu einer Geschichte zusammengefügt werden.
Nach einer Woche erfolgt anschließend die Filmpräsentation, welche meist in einem Massenbesäufnis endet, so auch in diesem Jahr. Aber lass mich vorher noch ein paar Worte zum Dreh verlieren, ich schildere dir einen Drehtag, da die ganze Woche einfach zu viel Inhalt bot um zu konkretisieren.
Heldenreise
Unsere Arbeitsgruppe hat eine typische Heldenreise entworfen. Ein unglücklicher Mann (Albert) wird von seiner tyrannischen Frau (Larissa) unterdrückt und gedemütigt, der Mann lernt (in unserem Falle über eine ostdeutsche Cracksüchtigen Elfe (Alicia)) eine neue Frau kennen mit dieser er vollkommen neu aufblüht und sein Leben bestreitet.
Gedreht wurde bei Alicia und Larissa, außerdem im Nordstadtpark und schließlich auch bei mir, da meine Freundinnen Alicia und Larissa auf subtilste Art und Weise meine Wohnung zur Verfügung stellten.
Ein ganz normaler Drehtag
Während der zwei Drehtage welche die Gruppe bei mir verbrachte wurden bis spät in die Nacht laute Streitszenen gedreht. Durch gerade diesen Dreh in der Nacht und die damit verbundene Bestrahlung meiner Räumlichkeiten bei offenem Fenster, wurde meine Wohnung unfreiwillig zu einem Asyl für hunderttausende Fliegen, Insekten, Mücken und anderem niederen Gewürm, welche ich teilweise heute noch verzweifelt zu beseitigen versuche. Ein weiterer Nebeneffekt der zehntausend Watt Strahler war zudem, die totale Destruktion meiner handelsüblichen Raumbepflanzung. Während die allgemeine Fauna meiner Küche normalerweise bei Zimmertemperatur und Tageslicht vor sich hin vegetierte, wurde die Umgebung nun in helles, brennend heißes Licht getränkt. Die wenigsten meiner Pflanzen konnten den Temperaturunterschied von gefühlten fünfhundert Grad verkraften.
Da wir über zwölf Stunden drehten um eine dreiminütige Szene in den Kasten zu bekommen war es bereits 04:21Uhr als die Nachbarn in Begleitung von sechs Polizisten gegen den ungehörigen Lärm des vermeidlichen Familiendramas vorgehen und schlimmeres verhindern wollten.
Präsentation
Am Freitag war es dann allerdings geschafft. Der Film wurde bis kurz vor der Präsentation von tapferen Helden der Arbeit unserer Kleingruppe geschnitten und bearbeitet. Endlich konnte ausgiebig gefeiert und der ganze Stress, die Müdigkeit und Mangelernährung vergessen werden. Zu Besuch kamen Jens und Chriss aus Göttingen. Sie wollten mein schauspielerisches Talent in Augenschein nehmen, auf welches ich jedoch hier nicht weiter eingehen werde, es sei nur soviel gesagt, dass ich einen Homosexuellen namens Victor spielte, welcher gemeinsam mit seinem Freund Dieter eine kurze aber wohl betonte Konversation über eine sehr skurrile Situation führt.
Wie immer wenn die Jungs zu Besuch sind, dauerte es nicht lange bis die ersten Flaschen Bier leer waren und auf meinem Balkon herum rollten. Nach nur zwei Stunden hatten bereits zwölf Liter Bier meine Kehle passiert. Der Pegel stieg schnell und kontinuierlich. So musste ich kurz vor der Präsentation eine halbe Stunde schlafen um den Abend bzw. die Feier nach der Präsentation auch wirklich durchzustehen. Durchgestanden ist im nach hinein das falsche Wort. Denn als der Wodka dazu kam, fehlt meine Erinnerung gänzlich. Im Nachhinein erfuhr ich aber, dass ich von meinen Freunden Jens und Chriss dazu animiert wurde, mit ihnen viel zu harte Wodka Mischungen auf Ex zu trinken. Der Fehler dabei war jedoch, dass die beiden lediglich die Becher ansetzten und nicht tranken. Ich hingegen in vollkommener Ekstase, dass ekelige Gesöff meine Kehle hinunter jagte. Letzteres wird sicherlich eine erklärende Wirkung darauf haben, dass ich versuchte mit einer FiveGum Packung zu telefonieren, geleitet von der festen Überzeugung es sei mein Handy. Ich weiß nicht wie ich nach Hause gekommen bin, doch ich vermute es hat mindestens doppelt solange wie sonst gedauert und ich bin mir relativ sicher, dass ich dabei gekrochen bin, oder aber getragen wurde. Wie dem auch sei, zumindest bin ich am nächsten Morgen viel zu spät aus einem festen friedlichen Schlaf geweckt worden bin.








