KiGa KiTa oder doch Hort?

Posted: 24th Januar 2012 by Knut in Allgemein

Liebes Tagebuch,
Ich stelle fest das Deutschland eine der Karriere-fixiertesten Länder überhaupt ist. Nirgendwo hat man so viele Aufstiegs- als auch Abstiegsmöglichkeiten. Menschenkinder die es schaffen etwas aus ihrem Leben zu machen, werden nach der 12. Klasse Manager, Leutnant oder Wissenschaftler, Erfinder, Kriegsherren, Psychologen, Jobvermittler und bewirtschaften damit den Teil der Gesellschaft der es eben nicht schafft. Der Rest landet im Dschungelcamp von RTL. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist nirgendwo so hart zu spüren wie in Deutschland, selbst in Afrika gibt es ausgeklügeltere Systeme um das Gleichgewicht zu wahren.
Eine wichtige Institution stellt in dieser schnelllebigen Gesellschaft die Kindertagesstätte, der Kindergarten oder auch etliche Hortplätze. Jene Einrichtungen erlauben es berufstätigen Eltern ihre Kinder über den größten Teil des Tages abzuschieben – nicht nach Afrika, aber in dritte Welt ähnliche Systeme, die vorsehen die Kinder zu nähren, zu erziehen, längst nicht mehr zu prügeln, auch wenn es manchmal sehr angemessen erscheint.

Ich arbeite in einer dieser Einrichtungen und habe den Unterschied längst noch nicht verstanden. Was ist eine KiTa, was ein KiGa und was ein Hort? Ich denke die Unterschiede liegen einzig und alleine in der Dauer der Abschiebung der unliebsamen Kinder, die sowieso als unerziehbar und verloren gelten.
Jason schneidet Kevin, ganz nach dem deutschen Körperkult die Schamhaare ab, Jakline trennt sauber den Ober- von Enrico’s Unterarm, da sie es als eingefleischte Emanze im Fernsehen so sah, Jochen trinkt den Flachmann von Erika der dicken Erzieherin aus, weil er es nicht anders kennt. Nachmittags werden Kleinkinder zu Fußbällen oder Sprühwänden der neuen Generation, während die Ältesten, also die Schulanfänger in der Raucherecke ihre Rapzeilen einstudieren.
Egal ob Krabbelgruppe, KiGa, KiTa oder Hort, jeder Bereich entblößt die Folgen von Casting-Deutschland.
Doch eines ist in allen Einrichtungen gleich. Die Ehrlichkeit der Kinder. Ich verbrachte nun schon mehrere Tage in einer solcher Kinderabschiebe-Einrichtung-bis-zum-Nachmittag und stellte fest, dass die Ehrlichkeit der Kinder, etwas sehr wundervolles aber auch etwas destruktives ist.
„Warum hast du dort so einen komischen Ausschlag?“ – „Was drückt da so in deiner Hosentasche?“ – „Wieso hast du rote Haare?“ – oder ein Klassiker : „Wieso trägt der Mensch in den zerlumpten Kleidern Kotze mit sich herum?“

Man stelle sich vor, es wird die elfte Klasse besucht und ausgebrannte Lehrer versuchen einem unverständliche Lehrinhalte einzubrennen, wenn das nicht klappt werden die Schüler abgeschoben. Praktische Erfahrungssammlung nennen sie es, wenn sie die Kohorten von Schulabbrechern und Wiederanfängern auf KiTas, KiGas oder Hortplätze ein schwören. Was diese nicht-Manager – nicht-Leutnants oder nicht-Wissenschaftler dort erfahren, reicht meistens aus um sie in dem Sozialstaat Deutschland fest zu verankern, nämlich in der sozialen Arbeit, die entweder durch Sozialstunden aufgedrückt, – oder durch ein Selbststudium, Persönlichkeiten total zerstört, sie an den Abgrund treibt, sie ausbrennen und verzweifeln lässt.

Unterschiede

Wer jedoch den sozialen Wortvokabulariendschungel erfolgreich durchquert hat, kommt schnell hinter das Geheimnis, was Millionen von alleinerziehenden minderjährigen Teenie-Mütter gerne wüssten. Die Feinheiten und Unterschiede zwischen Kindergärten und Kindertagesstätten, Krippen und Horten sind unter anderem die Aufnahmekriterien, die vom Kindesalter bis über Stubenreinität, polizeiliche Führungszeugnissen verschiedene Statuten sein können.
Bundesweit gelten die Altersgrenzen für Krippen von 0 bis 3 Jahren, in Kindergärten von 3 bis 5 oder 6 Jahren, eben sowie in Kindertagesstätten, der Hort bietet auch für normaldurchschnittlich alte Mütter die Möglichkeit ihre Pubertären Blagen nachmittags von Ehrenamtlichen Praktikanten bespaßen zu lassen.

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