Weltmeisterschaft 2010

Posted: 20th Juni 2010 by Knut in Allgemein

Liebes Tagebuch, nach den ersten Spielen, welche ich fast alle gesehen habe, steht eins fest. Diese Weltmeisterschaft ist für einige Überraschungen gut. Nicht nur das fast immer die schwächere Mannschaft gewonnen hat, auch die Elfmeter- und rote Kartenrate unterscheidet sich wesentlich von der Weltmeisterschaft 2006. Kurioser Weise, allerdings nur wenn den spanischen Pfeifen die Pfeife in die Hand gegeben wird.
Ich habe mir das Deutschlandspiel vergangenen Freitag auf der Friedrich-Ebert-Straße angeschaut. Wenn man das so nennen kann. Denn viel gesehen habe ich aufgrund der Zeit verzögerten und mit Aussetzern versehenden Übertragung nicht. Außerdem hatte ich die ganze Zeit irgendwelche besoffenen Pisser und Vuvuzelatröten vor mir. Die besten Szenen allerdings konnte ich erkennen, zuerst die Rote für Miro Klose, anschließend das unverdiente 0:1 für die Serben und darauf der verschossene Elfmeter von Lukas Podolski. Weiter ging es mit den 4 Torschüssen von Poldi, eigentlich hundertprozentige Dinger die er daneben haut, ich hatte Hakenkreuze in den Augen und ne Hasslatte in der Hose, das kannst du mir glauben.
Feststellen konnte ich allerdings auch andere Dinge, die sich nicht zwangsläufig auf das Fussballspiel bezogen sondern viel mehr auf die Fans. Ich möchte unterscheiden in folgende Gruppierungen von Fans:

Der Vuvuzela-Fan:
Zum ersten mal in der Fussballgeschichte gibt es bei vielen Public-Viewing Veranstaltungen ein Trötenverbot, zu Recht, denn die aus Afrika importierten Vuvuzelas gehen laut einer Umfrage jedem Menschen auf den Sack, außer denen, die eben rein blasen und dieses unangenehme Wespennestartige Geräusch erzeugen. Ausgeschlagene Zähne, verstopfte Atemwege und verstopfte Analausgänge sind die Folge. Der Vuvuzela-Fan lebt gefährlich, denn jeder möchte ihm die Vuvuzela in den Hals treten und ihm das Rückgrat brechen. Dank der vielen Vuvuzela-Verbote ist diese Fanart bereits kurz vorm Aussterben. Doch viele steigen leider nur auf die Fanfare um.

Die FANfare:
Druckluft Fanfaren kennt jeder. Und eben so wie die Vuvuzelas sind auch deren Klänge höchst unangenehm. Eine Fanfare des Hintermannes hat nicht selten zu einem vor Schreck verschüttetem Bier geführt. Oder auch zu einer, durch gerissene Nervenstränge, Massenschlägerei. Meißt nervt sich der Fan mit seiner Druckluft Fanfare selber, doch er hat sie bezahlt und muss sie nun auch benutzen. Folgende Tipps möchte ich an dieser Stelle geben:

  • Rufe Nachts irgendwelche Leute an und Tröte ins Telefon.
  • Verklebe die Druckmechanik und wirf die Fanfare nachts in einen Hundkotsammelmüllbehälter.
  • Erschrecke alte Damen in der Fussgängerzone.
  • Halte sie dir ans Ohr und teste wie lange es dauert bis der Ton verstummt.

Der Trinker:
Bei einem sind wir uns einig, ein Fussballspiel ohne Bier, ist kein Fussballspiel. Diese Art von Fan ist höchst sentimental veranlagt und hat eine gewisse Affinität zu Alkohol. Jedes Gegentor kann zu einem Totalausfall der handelsüblichen Denkmuster führen. Der Trinker überlebt bestenfalls die erste Halbzeit, bevor er entweder von den Vuvuzelas oder aber den Fanfaren so genervt ist, dass er ausrastet und alles kurz- und klein schlägt oder aber vollgekotzt am Rande der Veranstaltung seinen Rausch ausschläft.

Der Kommentator:
Oft verachtet und gehasst sind auch die Kommentatoren, jene Fans die alles besser machen würden, wissen wie man den Gegner bezwingt, wen man wann bringen muss um den Sieg zu erringen. Oft mals gerät der Kommentator-Fan mit dem Trinker aneinander, vermehrt in der ersten Halbzeit, versteht sich. Der Kommentator redet auch noch Wochen später von den Trainerfehlentscheidungen und sollte sich am besten für den Trainerposten bewerben. Im Falle eines Sieges, ist der Kommentator auch nicht glücklich, da er an jedem Spieler Kritik übt und ein besseres Ergebnis erzielen würde, hätte er nur die Entscheidungsgewalt gehabt.

Die Emotionalen:
Die emotionalen Fussballfans sind mir die liebsten. Da es überwiegend Frauen sind, bei jedem Freistoß, bei jeder Ecke, bei jedem Strafstoß fangen sie an zu schreien, beschimpfen den Schiri und rasten total aus. Die Besonderheit an dieser Fangruppierung ist, dass sie keine Ahnung von den Spielregeln haben, geschweige denn wissen was Abseits ist, wieso der Torwart ein anderes Trikot tragen darf, wieso man nicht mit 2 Bällen spielt, warum es Verlängerungen gibt und wer eigentlich in welche Richtung spielt. Am Ende muss geweint werden! Egal ob gewonnen oder verloren, schließlich weiß diese verhaltensoriginelle Fanart nicht für wen sie eigentlich sein sollten. Oft liegen auch die Emotionalen am Ende neben dem Trinker an den Schaufenstern und bekotzen ihre eh schon vollgekotete Hose.

Der Hooligan:
“Wir sind keine Fussballfans, wir sind deutsche Hooligans!” diesen Satz hört man auf jedem Public-Viewing. Doch schaut man sich genauer an, wer da schreit kann man eigentlich nur laut loslachen. Der Altersdurchschnitt dieser Gruppierung liegt bei unter 14 Jahren. Dünne Ärmchen mit Apfelschorleflaschen in den Händen und fehlender Bartwuchs zieren diese Art von Fan’s, welche im Falle einer Schlägerei zwischen den Trinkern und Trötern weinend das Weite suchen um anschließend  in ein tiefes emotionales Loch fallen und diesen Schock nie verarbeiten werden.

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