“Einmal im Leben kommt man zu dem Punkt, an dem man sich fragt: Wer bin ich? Und wenn ja wieviele?” Mit diesen Worten eines sehr erfolgreichen Gestaltenwandlers eröffnete mein Vater die Begrüßungsrede. “50 Jahre sind eine lange Zeit. Die Generation ist erhalten und am Studieren. Bald ist auch unser letztes Kind außer Haus. Und dann kommt man zu dem Punkt, an dem man beginnt, über den Sinn des Lebens nachzudenken.”
Ich denke das dürfte reichen um die Feststellung festzuhalten, ab dem 50. Lebensjahr wird man alt und nörgelig, wehleidig und melancholisch, aber auch nachdenklich und verträumt. Ich selber bin jetzt 21, liebes Tagebuch – und auch wenn man es mir nicht ansieht, ich gehe stark auf die 30 zu. Jeden Tag suche ich mit Sorgenfalten auf der Stirn mein lichtes Haar nach grauen Wölfen im Schafsfell ab. Doch bislang ohne Erfolg. Alter kommt schleichend und hinterhältig. Man merkt es garnicht, schwubs liegt man in der Kiste.
Aber da ich heute ziemlich früh schreibe, angetrieben durch die 2 Liter Kaffee die ich mir intravenös verabreicht habe, möchte ich nicht melancholisch werden, das überlasse ich ab jetzt meinem Dad. (Liebe Grüße an dieser Stelle)
Viel mehr möchte ich das Augenmerk auf kreativen Geschenke und den unvergesslichen Ablauf der Geburtstagszeremonie richten. Denn unvergesslich war dieser Geburtstag für meinen Vater definitv.
Beginnend möchte ich dir das genialste Geschenk des Abends vorstellen. MEINS bzw, dass der Söhne und Tochter und der Verlobten meines Bruders:
*Nostalgische Stimmung kommt auf*
Es war Vollmond..der Wind klopfte gegen die Doppelverglaste Fensterschreibe von Obi und ich konnte mal wieder nicht schlafen.. Denn ich hatte noch keine Geschenkidee.. aber dafür eine Erektion in der Hose. Plötzlich blitze es am Himmel und es begann zu Gewittern. Ich machte schnell das Dachfenster zu bevor es reinregnete. Als ich wieder im Bett lag.. Kam mir die Idee… Ein Gutschein!
Aber das war noch nicht alles, meine Synapsen blitzten auf und ein Hauch von Einstein durchströmte meinen Geist. Meine Erektion war verschwunden, dafür aber hatte ich die Idee! Wir würden den Gutschein versteckt verpacken, und zwar unter etwas oder jemanden, was meinem Vater nicht gefallen würde. Und die Rede ist nicht von Tine Wittler! Noch in der selben Nacht lief ich zum Eulen-Turm und Hedwig flog … Okay ich glaube ich bleibe bei Satire. Meine Romane würden sich sicher mies verkaufen.
Nachdem mein Vater die Feier eröffnet hatte, ging das große Fressen los. Anschließend war es endlich soweit, die Geschenke wurden überreicht. Hier ein guter Wein, dort Geld anderswo wurde eine Hausapotheke herausgekramt und dann.. dann endlich kam unse Geschenk. Liebevoll verpackt, in einem mit Alufolie umwickelten Schuhkarton befand sich der ominöse Gutschein. Mein Vater merkte schnell das ihm schlimmes bevorstand, denn als er den Deckel anhob, bemerkte er den baumelnden Fallschirmspringer am Deckel des Kartons. Er versuchte den Gutschein vorzulesen, doch er stockte, seine Stimme bebte förmlich als er den Gutschein zu einem Tandem-Fallschirmsprung in Höxter bei Kassel verlas. Ich meine sogar, dass er angefangen hat zu schwitzen. Als sich die ersten Anzeichen für einen Herzinfarkt vernehmen ließen, riet ich ihm weiter unten im Schuhkarton zu suchen, in dem er dann schließlich die Jakobsmuschel bzw den Essensgutschein vom “Melange”, einem französischem Feinschmecker Restaurant in Göttingen fand.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Showeinlage von Heidi und Klaus alias Kaviar und Selters unseren Nachbarn. Sie hatten drei Lieder vorbereitet und außerdem brachte Heidi einen Lapdance, welcher meinen Vater erneut ins Schwitzen brachte und so wurde der Abend wundervoll und unvergesslich abgeschlossen.

