Das Neue Leben I – 14. Mai 2009

Posted: 29th April 2009 by Knut in Das Tagebuch des Knut

Liebes Tagebuch, du hast ne Menge verpasst!
Ich habe jetzt meinen Zivildienst fertig. “Endlich!” möchte ich fast sagen. So lustig wie am Anfang war es dann auf die Dauer doch nicht mehr! Der stetige Geruch nach Urin. Verwesung, überfahrenem Kaninchen und Erbrochenem hat mich fertig gemacht! Die ständigen Randahle, fliegenden Flaschen und das Hundegebell, endlich geschafft.
Wie du weißt gar nicht was ich gemacht habe? Ich habe Essen ausgegeben, bzw. Essen kann man das nicht nennen. Der tägliche Eintopf sah eigentlich immer aus wie Erbrochenes, aber wer kein Geld hat, wie meine “Klienten” (Sie investierten in Drogen und Alkohol), isst auch so was.
Ich möchte fast sagen, der Mittagstisch ist eine der härtesten Zivildienststellen in ganz Göttingen. Aber ich habs geschafft, und es war keine verschwendete Zeit. Im Gegenteil, ich habe viel gelernt. Beispielsweise das man Fischstäbchen weder im Ofen noch in einem Wasserkocher zubereitet, dass Weizenbier schneller betrunken macht als Pils und ich habe sogar gelernt wie man sich aus einer Dose einen Löffel oder aber auch eine improvisierte Bong bauen kann. Außerdem weiß ich jetzt viel mehr über Drogen und bin wirklich überrascht, welche Auswirkungen sie haben können, schließlich hatte ich Tag ein Tag aus ca. 50 Gnadenlose Beispiele.
Nun bin ich allerdings fertig und wie sagt der Volksmund…. “Arbeitssuchend”, sprich: Ich sitze Zu hause trinke Bier und gucke Fußball, ernähre mich von Kaffee und Mettigeln und gehe meinen Eltern auf den Sack. Aber ja nicht mehr lange… Am 01.06 kann ich mich für die Uni Kassel einschreiben und werde dann endlich das, was ich schon immer werden wollte wenn ich mal groß bin. Verbindungsmitglied! Ist es nicht statistisch sogar belegt worden, dass 75% aller Studenten noch nie einem Vortrag beigewohnt haben, da sie zu betrunken sind zur Uni zu kommen? Partys, Frauen, Ruhm und Sex und auf dem Papier ne Sechs! Studentenleben bis 45! Ein Traum auf den ich solange gewartet habe!

Aber bis es soweit ist, werde ich wohl noch weiter “Arbeit suchen” müssen. Letztens habe ich an einem Bootsverleih Probe gearbeitet. Allerdings lief das nicht so glatt wie ich mir das Vorstellte. Wider erwarten bekam ich keine ausführliche Einweisung meiner zukünftigen Stelle, stattdessen eine Pfeife und ein Megafon in die Hand gedrückt. Der Leiter des Bootsverleih grummelte mir unverständliche Preise pro Stunde entgegen und verschwand mit einer Flasche Schnaps in sein Hausboot.
Voller Elan wartete ich auf meine ersten Kunden. Stunde um Stunde passierte gar nix. Dann endlich, eine Familie! 3 Kinder und ein Elternpaar die offensichtlich Geschwister sein mussten.
Das Desaster konnte beginnen. Die Blagen als welche sie sich später entpuppen sollten wollten Kanu fahren!
Jeder der schon einmal Kanu gefahren ist weiß, dass die Schwierigkeit nicht unbedingt das Fahren ist. Ich hatte ja nun bereits ein paar Kanuausflüge mit Freunden gemacht und wusste um die Schwierigkeiten beim Ein- und Aussteigen. Ich hob also eines der Kinder vorsichtig ins Kanu, während die anderen 2 Kackbratzen damit beschäftigt waren sämtliche Tret- und Ruderboote los zubinden. Das bemerkte ich jedoch bereits nach dem 7. abgetriebenem Boot. Ich sprang sofort ins kalte Nass um die Boote wieder zurück zu holen. Kurz nachdem ich im Wasser war, kippte das Kind mit dem Kanu um und hatte offensichtlich Atembeschwerden unter Wasser, nach kurzer Überlegung und Abwägung der Prioritäten, rettete ich das Kind und rief den Notarzt. Die 7 Boote trieben derweil in den Bereich des Segelclubs und richteten großes Chaos an. Gott sei dank sank nur ein Dreimaster der sich bei dem Versuch des Ausweichens zu sehr in die Luv, die Windseite, legte und umkippte.

Durch die Sirenen der Rettungskräfte wurde sogar Edgar, mein Exchef für einen Tag auf und kam angerannt um mir höchst persönlich Megafon und Pfeife wegzunehmen und mich nach Hause schickte mit den Worten: “Lass dich hier nie wieder blicken du Nichtsnutz!”.
Als ich nach meinem Dienstzeugnis fragte, bewarf er mich mit seiner Flasche und ich beschloss lieber drauf zu verzichten.
Aber jetzt muss ich echt los, ich habe noch ein Vorstellungsgespräch in einer Bowlingbahn!
Bis die Tage liebes Tagebuch.
Hab dich lieb

Comments

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  1. Schnabbsgürsche sagt:

    Bitte ja

  2. Lotte sagt:

    hrhr