Kassel Glück im Unglück?

Posted: 17th September 2009 by Knut in Allgemein

Hin und hergerissen bin ich, liebes Tagebuch. Kann man sich mit einer Stadt die so grundauf Böse ist wie Kassel arrongieren? Anders gefragt, warum hasst Kassel ahnungslose, weltfremde Sozialarbeiter wie mich?

Der Tag fing gut an. Der Geruch frischer Croissants und Kaffee erweckte mich aus einem Alptraum, in dem ich bei einem großem Straßenbahnunglück auf einer Kreuzung verbrannte, die Vöglein zwitscherten und ich ahnte, heute ist die Gunst der Stunde, heute würde ich meine Traumwohnung finden.
Als ich in die Küche kam, strahlten mich die letzten Tropfen Kaffee die noch verblieben sind an, die Croissants waren bereits aufgegessen und ich verfluchte mal wieder die Schlummerfunktion der Handywecker. Mit einem Frühstück aus Karottensaft und hartem Brot machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof, mein Studenten Ticket ist noch nicht gültig, weshalb ich mir im Cantus (eine süffisante Art Zug speziell für komatöse unter Alkoholeinflussstehender Studis) ein Ticket für 13,30 kaufen musste. Mein Sitznachbar, ein alter Mann Mitte 35 der spastisch zuckte wenn der Zug wackelte.
Ich machte mir nichts drauß, denn ich hörte Musik über meinen Mp3 Player.
Nach einer halben Stunde, überkam mich ein bedrückendes Gefühl. Zwei Minuten später befand ich mich mit Bauchkrämpfen auf der Zugtoilette.
Wiederrum 20 Minuten später wollte ich jene wieder verlassen, was mir jedoch durch den abgebrochenen Verschlussdrehknopf in meiner Hand verwehrt wurde. Ich hämmerte gegen die Tür, benebelt von den toxischen Gasen, die weder durch ein Fenster, noch durch die undichten stellen am Fenster abziehen wollten.
Als ich nach der einstündigen Fahrt endlich gefunden wurde und aus der Ohnmacht erwachte, überraschte es mich wie schön doch der Kassler Hauptbahnhof sei. Er konnte nicht zu dem Rest der Stadt passen, schließlich hatte ich gehört, dass Kassel die hässligste Stadt nach Bielefeld sein soll, so fern es Bielefeld dann gibt (Siehe Link).

Es dauerte einige Zeit, bis ich bemerkte das ich mich nicht in Kassel sondern in Fulda befand. Ich hatte mich scheinbar in den falschen Zug gesetzt da aus Göttingen immer zwei abfuhren.

Einige Stunden später und 26,60 Euro ärmer, kam ich endlich in Kassel an und mein Eindruck wurde bestätigt. Pottenhässlich! Aber groß! So groß, dass es unterirdische Kreuzungen gab unter welcher ich mich gegen 15 Uhr verlaufen sollte, jedoch erst nachdem ich nur knapp einer Straßenbahn entkam die gerade noch bremsen konnte.

Ich schaute mir einige Wohnungen an, kam jedoch zu der Schlussfolgerung, dass ich mich lieber hätte woanders bewerben sollen, nur nicht in Kassel! Gegen 20 Uhr kehrte ich zurück zu jener Kreuzung, welche allerdings voll gesperrt war. Eine Straßenbahn war entgleist und auf eine Tankstelle gefahren, überall Feuer, überall Polizei, überall blaue Mixbecher öhm what the fuck?

Zuhause erfuhr ich später, dass ein Mann der über die Gleise lief die Straßenbahn zum entgleisen brachte und die Löscharbeiten bereits fünf Stunden andauerten.
Fazit: Die Wohnungen sind alle Scheiße gewesen und nur für Studenten ohne Stolz und Schamgefühl, aber dennoch hat Kassel seine Reize, wie zum Beispiel Kreuzungen die dich in den Wahnsinn treiben oder Straßenbahnen die dich umbringen wollen.
Hab dich lieb, dein Knut

Comments

Powered by Facebook Comments