Liebes Tagebuch, nachdem ich nun auch die Waschmaschine verstanden habe, möchte ich dir etwas über meine erste Studiumwoche erzählen. Nachdem ich mir ein benutztes Kondom schnappte, traf ich auf meine Tutorengruppe.
Dort bekamen wir einen Überblick über die Module 01-06(auf diese werde ich nicht gesondert eingehen, da es dich nicht interessieren wird). Seit es dem Bachelor gibt, ist nämlich nichts mehr wie es war. Man muss sich nun selbstständig in seine Vorlesungen und Seminare eintragen. Allerdings gestalte es sich schwieriger als unsere Tutoren es beschrieben haben.
Wir haben gesagt bekommen, dass wir uns jene Vorlesungen und Seminare erst einmal anschauen sollen, um dann besser entscheiden zu können, welches Themengebiet uns mehr liegt und mit welchem Dozenten wir besser klar kämen. Anschließend sollten wir uns ursprünglich über ein Internet-Losverfahren zu unseren Vorlesungen eintragen, was ja auch plausibel und gut organisiert klingt!
Soweit so gut, bis zu meiner ersten Vorlesung für Modul 01 Wissenschaftliches Arbeiten I.
Unser Dozent war ein Österreicher wie er im (Geschichts)buche steht. Als er die 350 Studenten sah die seinen Hörsaal, welcher für 120 Personen ausgelegt war, verstopften, rastete er total aus und Polen war offen. Er beendete seine Volksrede und meinte „er könne so nicht Arbeiten“. Er entwarf am darauf folgendem Tag eine Liste und die ersten hundertzwanzig Personen, die auf der Liste stünden wären tragbar und vor genau diesen Personen würde er seine Lehre verbreiten.
Es begab sich zur gleichen Zeit in Hörsaal 2, dass die Studiendekanin verkündete, dass das von den Tutoren vorgeschlagene Verfahren (aufgrund eines Kommunikationsproblems) nicht länger tragbar wäre. So hingen am nächsten Tag Listen zum Einschreiben aus. Allerdings hat Frau Lucker vergessen, dass viele Studenten ihre Vorlesungen, fürs erste Semester, garnicht interessant fanden.
Somit war nur der kleinste Teil der Studenten über die Listen im Bilde. Meine Mitbewohnerin Inga war Gott sei dank eine derer, welche sich das Seminar gab und wusste Bescheid. Also liefen wir am nächsten Morgen um 4:30 Uhr zu Uni und wollten die Ersten sein, die die Möglichkeit haben sich in jenen Listen einzutragen. Dies war jedoch ein kompletter Reinfall, da Deutschland damals schon für seine Mund zu Mund Propaganda bekannt war.
Im Endeffekt möchte ich es mit einer Mettwurst im Schaafsdarm vergleichen, denn so kam ich mir vor, als ich mit 200 anderen Mitkommilitonen in dem Gang stand/saß/lag, in welchem die Listen hängen sollten.
Allerdings hing anstatt 12 Listen, nur eine Liste aus. Und jetzt rate mal welche!
Dieses Windmühlenverfahren, stoß bei den Studis – die nichts davon mitbekommen haben, natürlich auf Widerstand, so entbrannte in kürzester Zeit ein Streik mit Trommeln und Fanfaren. Mollotovcocktails flogen, Fahnen der Uni Kassel wurden abgebrannt, Hörsäle demoliert und Dozenten gepeinigt. Nach einem Aufgebot des Radios und Fernsehens wurde dann klein bei geknickt und das Losverfahren übers Internet wurde wieder geöffnet. War wohl das beste für alle! – Außer für die Leute die mehr als 12 Stunden ohne Sauerstoff in einem Flur lagen und dem Tode näher waren als Rudi Carell bei seinem erstem Joint.
Hab dich lieb
Knut!

