Liebes Tagebuch, meine erste Fahrstunde. Was für eine Katastrophe! Ich war den ganzen Tag schon hibbelig und nervös, hatte die ganze Zeit ein böses Gefühl im Magen. Ich war drei mal kacken, jedoch half das nicht. Ich wurde bis 15 Uhr dieses Scheiß-Gefühl nicht los. Und dann war es schon soweit. Es ging los.
Andi schickte mich mit einem schroffen “Einsteigen” – “nicht hinten du Kackbratze, aufn Fahrersitz du miese scheiße!!”
auf den Fahrersitz. Ich solle mir doch bitte alles einstellen meinte er zu mir. Was zur Hölle sollte ich einstellen? Ich hab’s dann gemerkt als er sehr böse geschaut hatte, er meinte die Spiegel, die Lichter, den Sitz und den Aschenbecher.
Dann ging es los, er hat Gas und Bremse genötigt und ich das Lenkrad missbraucht. Die Fahrer hinter und vor uns hatten es nicht leicht heute, zumal ich das mit Rechts und Links noch nie drauf hatte. Ja wir sind dann in einen verkehrsberuhigten Bereich gefahren, allerdings nicht in eine Spielstraße, sondern auf den Parkplatz des Freudenhauses, in dem ich zu Weihnacht vorlieb nehmen werde. Wir übten das Schalten, Gas geben und Anfahren. 7 mal hab ich abgebockt, 12 mal abgewürgt und 1 mal das Getrieben gefetzt. Tja 2 Stunden verbrachten wir auf diesem verhurten Parkplatz! Danach gings wieder Heim, Gott sei Dank. Ich hatte echt keinen Bock mehr. Alles versaut. – Dachte ich und dann kam die Höhe.. auf dem Heimweg habe ich mich im Rosdorfer Kreisel darauf verlassen, dass Andy der Fahrlehrer, sich um Gas und Bremse kümmert, wurde jedoch maßlos Enttäuscht, er blätterte gerade in der Fernsehzeitung um seinen weiteren Abend zu planen, da geschah es. Ich fuhr zu steil in den Kreisel, lenkte zu schlecht und fuhr somit mitten auf den Kreisel drauf, Andy griff mir noch ins Steuer, allerdings half gar nichts mehr, wir überschlugen uns und fielen in den Graben, ein lauter knall riss mich aus der Bewusstlosigkeit. Ich blickte instinktiv wie so mancher Moslem nach Mekka und stellte fest, dass Rosdorf von einer großen Rauchwolke bedeckt war. Es schien als ob das Dorf brenne. Andy ist dann mit mir nach Hause gegangen und hat meinen Eltern erklärt was geschehen war. Zum Glück verschwieg er vorerst den Totalschaden und die damit verbundene Massenkarambolage. In dieser waren 34 Fahrzeuge verwickelt, darunter 3 Einsatzkräfte und 1 Rettungshubschrauber. Was meinst du wie Jens und Chriss gelacht haben als ich ihnen von meinen Fahrkünsten erzählt habe. Jedoch ging es Chriss heute nicht besser.
Er hatte bei dem Versuch den Firmenwagen, der problembeladenen Tischlerei zu waschen und zu wachsen, nicht nur den Firmenwagen angesteckt, sondern dazu noch das Holzlager und das anliegende Sägewerk. Der Trottel hatte eine Kiste Kerzen aufs Dach gelegt und mit einem Schweißgerät das Wachs geschmolzen. Ich sag dazu mal besser nichts. Außer das ich jetzt schlafen gehe.
Gute Nacht, dein Knut!
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