Tagebucheintrag 150. 02.12.2007 18:31

Posted: 2nd Dezember 2007 by Knut in Das Tagebuch des Knut

Liebes Tagebuch, dass war sie also mal wieder. Die Adventsfeier der Gemeinde.
Jedes Jahr um die gleiche Zeit treffen sich alle Mitglieder der Gemeinde, um gemeinsam zu beten zu kommunizieren und zu musizieren, allerdings sind das nicht die Gründe warum sie kommen, eher das unsere Adventsfeier immer in sinnlosen Alkohol- und Drogenexzessen bzw. den damit verbundenen Alkoholleichen und Drogenopfern endet.
Deutschland hat eh viel zu viele alte Bürger!
So erinnere ich mich an Rudi(98), es war der erste Advent 2004. Er war eh Alkoholiker, aber die Flasche Absinth, ist ihm nicht bekommen. 8 geschlagene Tage lag der Arme auf dem Klo rum, bis er von seiner Frau, die unter einer starken Demenz leidet, vermisst wurde.
Oder Paul(67) er versuchte 1999 eine Nase zu ziehen, nur leider fing er furchtbar an zu Hyperventilieren und rum zu hibbeln. Ein dreiwöchiger Aufenthalt und Nutzung der Intensivstationtoiletten waren die Folge.
Aber ich muss dazu sagen. Die beiden leben, wenn sie nicht gestorben sind, noch immer glücklich und im Vollrausch bis an das Ende ihres Lebens, wobei ich schon lange nicht mehr die Todesanzeigen durchgeschaut habe.
Doch dieses Jahr sollte alles anders kommen.
Wir hatten eine Frauenbeauftragte zu besuch, sie wollte sich in die Gemeinde eingliedern, dachte jedoch unsere Gemeinde wäre eine Freikirche bzw. Anhänger irgendwelcher Zeugen Jehovas oder Ähnlichem.
Jedenfalls bin ich von dieser Frau wirklich sehr beeindruckt. Sie hat in Sachen Frauenarbeit und Frauen, viel eher Familienpolitik den Dreh raus. So hat sie (Hilde/76), nicht nur zu einer Demonstration, sondern auch zum länger überleben und Kettenbriefe verschicken aufgerufen, welche eine Protestschrift gegen die deutsche Familienpolitik enthalten würde. Es wurde heute also nicht nur das Programm sondern der komplette Rahmen der Adventsfeier gesprengt. Stundenlange Diskussionen über Kindergeld, Kinderarmut, Jugendarbeit und Vergewaltigungen bis über Misshandlungen und die dritte Welt, waren die Folge. Nicht mal der Hubert, traute sich ein Bier zu bestellen, dabei war er die vorigen Jahre immer ganz vorne mit dabei wenn es um Alkohol bzw. Crack ging.
Nach drei Stunden war die Gegenpartei der Frauenbeauftragten ausgeschaltet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Heinrich lag blutend am Boden, man hatte seinen Rollstuhl manipuliert, welcher nun auf Knopfdruck zusammenfallen würde.
Naja gegen Ende waren dann doch alle glücklich und wer nicht glücklich war, lag entweder stoned oder besoffen in der Ecke, oder hing mit einem breitem Grinsen über der Schüssel. So aber jetzt geh ich erstmal gemütlich kacken, gestern hatte ich keine Zeit!
Gude, dein Knut

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